Alpschaft

Die auf etwa 1950 m ü. M. liegende Engstligenalp oberhalb von Adelboden wird erstmals im Jahre 1232 schriftlich als «Itensscigulam» erwähnt. Die Alp wurde von Ritter Werner von Kien an den Bischof Landri von Sitten verkauft. Lehensmänner von Adelboden sömmerten dort ihr Vieh, und man erwähnte, dass damals vier Hütten bestanden haben.

Im 14. Jahrhundert sollen Räuber aus dem Wallis das Vieh auf der Alp weggeführt und die Hütten und den Wald angezündet haben. Im Jahre 1817 kaufte sich die Alpschaft von jeglicher Lehenspflicht los. In jener Zeit blühte die Tuchfabrikation im Frutigland. Die Wolle galt viel. Deshalb wurde auch die Engstligenalp fast ausschliesslich mit Schafen besetzt. Etwas Galtvieh und gegen 60 Jungpferde grasten auf dem Läger. Nur eine Hütte, das «Schäferstäfi» beim «Guggihubel», stand damals. Adelbodner Buben stiegen am Sonntag den schmalen Pfad durch die Engstligenfluh hinauf und versuchten, auf den halbwilden Pferden zu reiten. Manche wilde Hatz endete kopfüber in Gras und Stein. Die Tiere zügelte man vom Birg auf die Hinterengstligen und über den Ärtelengrat auf die Vordere Engstligenalp. Erst 1904/05 wurde ein Fahrweg für das Vieh durch die Fluh hinauf gesprengt.  

Heute

Die Engstligenalp ist gemeinsamer Besitz, «e gminna Bärg», mit 340½ Kuhrechten. Anstelle einer Kuh kann man 6 Geissen auf die Alp treiben. Die Engstligenalp bietet während 10 Wochen Nahrung für rund 500 Stück Vieh, ca. 180 Kühe. Etwa drei Wochen vor dem Alpaufzug findet in Frutigen die Bergrechnung statt, bei der jeder Besitzer seine Abrechnung vorlegt. Während des Sommers wird der Viehbestand nach dieser Abrechnung kontrolliert. Der Alpaufzug Ende Juni ist stets ein grosses Ereignis und wird jedes Jahr von vielen Schaulustigen verfolgt.

Gehen Sie doch bei den Hütten vorbei und probieren Sie ein Stück Käse und gönnen Sie sich einen Schluck frische Alpenmilch.